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Der 9. November, ein deutscher Schicksalstag

Der folgende Text stammt von Bernd Jonas

Wendepunkte deutscher Geschichte
Wohl kein anderes Datum in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts hat derart die Emotionen geschürt und kontroverse Diskussionen hervorgerufen wie der 9. November. Revolution und Hitlerputsch, Reichspogromnacht und der Fall der Mauer - der 9. November symbolisiert die Hoffnungen der Deutschen, aber auch den Weg in die Verbrechen des Dritten Reiches.
Ist damit der 9. November im Vergleich zum 3. Oktober der geeignetere "Nationalfeiertag"?
Im Folgenden sollen die Ereignisse des 9. November 1918, 1923, 1938 und 1989 dargestellt werden. Der Schilderung der jeweiligen Vorgeschichte folgt eine knappe Beschreibung der Ereignisse selbst. Daran schließt sich die Bewertung der kurzfristigen Folgen sowie eine Analyse der langfristigen Ergebnisse an.

Der 9. November 1918 - Novemberrevolution
Der 9. November 1923 - Hitlerputsch
Der 9. November 1938 - Reichspogromnacht
Der 9. November 1989 - Öffnung der Berliner Mauer
Der 9. November - der bessere Nationalfeiertag?
Der 9.11. als Geburts- oder Sterbetage

 

Der 9. November 1918 - Novemberrevolution
Vorgeschichte
Der Krieg, den der deutsche Kaiser und seine Berater durch Selbstüberschätzung und Großmannssucht mitzuverantworten hatten, führte letztlich zum Untergang der Monarchie in Deutschland. Bis zuletzt trieben die deutschen Militärs die gnadenlose Menschen- und Materialschlacht voran. Am 29. September 1918 mußte General Ludendorff, Mitglied der Obersten Heeresleitung, die ausweglose Situation des deutschen Heeres eingestehen. Auf Drängen der deutschen Generalität ersuchte die Reichsregierung am 4. Oktober 1918 die amerikanische Führung um Waffenstillstand. Zuvor war ebenfalls auf Veranlassung Ludendorffs die deutsche Regierung auf eine parlamentarische Grundlage gestellt worden, d.h. mit dem Amtsantritt des liberalen Reichskanzlers Prinz Max von Baden Anfang Oktober 1918 partizipierten SPD, Zentrum, Fortschrittspartei und Nationalliberale an der Regierungsgewalt. Dieses Vorgehen des ranghohen deutschen Offiziers erfüllte einen doppelten Zweck: Zum einen stahl sich das Militär aus der Verantwortung für das von ihm verschuldete militärische und politische Desaster. Der Nährboden für die schon bald aufkeimende Dolchstoßlegende, nach der das deutsche Heer im Felde unbesiegt blieb und nur durch Verrat der neuen Reichsregierung am Sieg gehindert wurde, war somit geschaffen. Zum anderen gestand das Militär ein, daß es politisch gescheitert war. Denn der amerikanische Präsident Woodrow Wilson akzeptierte als Gesprächspartner nur eine demokratisch legitimierte Regierung.
Nachdem die amerikanischen Bedingungen für einen dauerhaften Waffenstillstand bekannt geworden waren, plante Ludendorff, der die US-Forderungen für inakzeptabel hielt, eine erneute Offensive; aber das deutsche Volk war kriegsmüde.

Auslöser
Ende Oktober 1918 sollte die deutsche Hochseeflotte zu einem Einsatz gegen die britische Marine auslaufen, um die "Ehre der Waffengattung" zu retten. Die Matrosen verweigerten jedoch die Ausführung dieses sinnlosen Befehls und erhoben sich am 4. November gegen die militärische Führung. Überall bildeten sich Matrosenräte. Rasch griffen die Aufstände auf das Binnenland und die deutschen Großstädte über, erfaßten kriegsmüde Arbeiter und Soldaten, die sich gleichfalls in Räten organisierten. Am 7. November wurde die Wittelsbacherdynastie in München gestürzt. Die Berliner Arbeiter- und Soldatenräte verlangten anschließend auch die Abdankung Kaiser Wilhelms II., der sich zu diesem Zeitpunkt im Hauptquartier der Obersten Heeresleitung im belgischen Spa aufhielt.

Die Revolution in Berlin
Am 9. November spitzte sich die Lage dramatisch zu: Die SPD hatte sich ultimativ zur Machtübernahme bereit erklärt, um die Gründung einer Räterepublik durch die Linksradikalen zu verhindern. Schnelles Handeln war geboten. Also verkündete Reichskanzler Prinz Max von Baden den
Rücktritt des Kaisers, noch ehe dessen Telegramm mit der entsprechenden Nachricht eingetroffen war. Es folgte der Rücktritt des letzten kaiserlichen Reichskanzlers selbst und die Übergabe der Amtsgeschäfte an den Mehrheitssozialdemokraten Friedrich Ebert.
Um 14 Uhr rief Eberts Parteifreund
Philipp Scheidemann von einem Fenster des Berliner Reichstages die parlamentarische Republik aus und kam somit dem Führer des linksradikalen Spartakusbundes, Karl Liebknecht, zuvor, der Stunden später die Räterepublik proklamierte.
Am Tag darauf trafen die Führer der SPD und der USPD (Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands), die sich 1917 von der SPD abgespalten hatte, eine Übereinkunft zur Bildung einer provisorischen Regierung. Dieser
Rat der Volksbeauftragten, wie er genannt wurde, sollte nach dem Willen Eberts der Konkursverwalter des alten Reiches sein, bis sich durch demokratische Wahlen eine Nationalversammlung konstituieren könne. Er setzte sich zusammen aus je drei Mitgliedern von SPD (F. Ebert, P. Scheidemann, O. Landsberg) und USPD (H. Haase, W. Dittmann, E. Beck).
Doch bereits am 29. Dezember 1918 traten die Mitglieder der USPD aus dem Rat aus. Der Grund: Ebert hatte mit Hilfe von Reichswehrtruppen, die sich nach dem am 10. November mit dem Mitglied der Obersten Heeresleitung, General Groener, geschlossenen Pakt formal der Republik unterstellten, einen Matrosenaufstand in Berlin unter Blutvergießen auflösen lassen. Dieses Vorgehen Eberts ging als die sogenannte
Blutweihnacht in die Geschichte ein. Die Folge war ein tiefer Graben, der sich fortan durch das sozialistische Lager zog. Verschiedene Maßnahmen des Rates der Volksbeauftragten vertieften noch die Gegensätze. Zu nennen sind:

  • die blutige Niederschlagung des Spartakusaufstandes in Berlin im Januar 1919 auf
    Anordnung des Ratsmitgliedes
    Gustav Noske, in dessen Zuge auch die Führer des
    Spartakusbundes,
    Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, von Freikorpssoldaten
    ermordet wurden;
  • die Unterdrückung von Arbeiteraufständen im Ruhrgebiet, in Sachsen und Thüringen durch die Reichswehr im April 1920;
  • die passive Haltung der Reichswehr beim Kapp-Putsch im März 1920, der letztlich am Generalstreik der Arbeiter und Beamten scheiterte.

Die Folgen
Die Belastungen, denen die Weimarer Republik seit ihrer Geburtsstunde ausgesetzt war, sind vielfältig. Neben den bereits ausführlich erwähnten (Dolchstoßlegende, Spaltung des sozialistischen Lagers) bzw. angedeuteten Faktoren (antirepublikanische Gesinnung der Reichswehr, Aufstände der Linken bzw. Putschversuche der Rechten) drohten noch andere Einflüsse das zarte Pflänzchen der Demokratie zu erdrücken: so verblieb die alte obrigkeitsstaatlich geprägte Beamtenschaft in ihren Ämtern und konnten die Politiker nicht mit einer bedingungslosen Unterstützung durch die Verwaltung rechnen. Zu den äußeren Belastungsfaktoren zählte vor allem der Versailler Vertrag.Politisch und wirtschaftlich verband er die Geburtsstunde der Republik mit der außenpolitischen Niederlage des deutschen Reiches.

Der 9. November 1923 - Hitlerputsch
Vorgeschichte
Die Jahre von 1918 bis 1923 sahen eine galoppierende Inflation, die bis zum totalen Zusammenbruch der Währung führte, die Besetzung des Ruhrgebiets durch die Franzosen, kommunistische Aufstände in Sachsen und Thüringen sowie rechte Umsturzversuche, die die junge Republik immer wieder in ihrer Existenz bedrohten. Insbesondere Bayern hatte sich nach der Zerschlagung der Räterepublik 1919 zum Agitationsfeld deutschnationaler Gruppierungen entwickelt. Nachdem die Reichsregierung am 26. September den Ruhrkampf abbrach und die wirtschaftliche Situation an einem neuen Tiefpunkt angelangt war, verkündete die bayerische Landesregierung den Ausnahmezustand für das Land, wobei sich der Generalstaatskommissar Gustav Ritter von Kahr an die Spitze der Regierung setzte und in enger Zusammenarbeit mit der bayerischen Reichswehrführung unter General Otto Hermann von Lossow und dem Leiter der Bayerischen Landespolizei, Hans von Seißer, offenen Ungehorsam gegenüber Anweisungen aus Berlin übte.
Während sich der Oberbefehlshaber der Reichswehr,
General Hans von Seeckt, sich sofort für einem Einmarsch in Thüringen und Sachsen entschied, verweigerte er ein Eingreifen in Bayern. In einem Schreiben an von Kahr vom 5. November 1923 bot er diesem sogar Unterstützung an und gab mit den folgenden Worten unmißverständlich seine antirepublikanische Einstellung preis: "Die Weimarer Verfassung ist für mich kein noli me tangere (...)".

Die Durchführung bzw. das Ende des Putsches
Der NSDAP war es in Bayern durch geschickte Propaganda 1923 gelungen, die Zahl der Mitglieder von 15000 auf 55000 zu erhöhen. Gleichzeitig hatte sie einflußreiche Persönlichkeiten aus der Wirtschaft für ihre Ziele gewinnen können. Die Entwicklung vom Herbst 1923 kam dann allerdings vor allem den konservativen Kräften zugute, und der Einfluß Hitlers und der NSDAP drohte wieder zu schwinden. Aus diesem Grund plante er eine Propagandaaktion, die als Initialzündung für eine Revolution von rechts dienen sollte. Hitler nutzte eine geplante Kundgebung v.Kahrs vor nationalistisch-bürgerlichem Publikum am 8. November im Münchner Bürgerbräukeller, um sich und seinen Gefolgsleuten unter Waffengewalt Zutritt zu verschaffen und den Ausbruch einer nationalen Revolution zu verkünden. Mit vorgehaltener Pistole erzwang der selbsternannte Revolutionär einen Pakt mit von Kahr, General von Lossow und von Seisser, die allerdings erst nach Eintreffen General Ludendorffs, der sich auf Hitlers Seite schlug, zustimmten, um in derselben Nacht noch mit der Begründung zu widerrufen, sie seien erpreßt worden.
Als Hitler am Morgen des 9. November 1923 davon erfuhr, war ihm die Ausweglosigkeit seiner Lage bewußt. Trotzdem versuchte er mit einer verzweifelten Aktion, doch noch die Wende herbeizuführen: Angelehnt an Mussolinis "Marsch auf Rom" im Jahre 1922, organisierte Hitler den "Marsch zur Feldherrnhalle", der jedoch im Kugelhagel der Landespolizei in der Münchner Innenstadt endete. Vierzehn Aufständische und drei Polizisten wurden getötet. Hitler flüchtete leicht verletzt und völlig verwirrt. Nur Ludendorff marschierte weiter. Die Aktion wurde für die NSDAP zu einem einzigen Desaster. Sie wurde in der Folge verboten. Hitler selbst mußte sich vor Gericht verantworten.

Konsequenzen des Putsches
Daß es Adolf Hitler im Nachhinein doch noch gelang, Kapital aus dem kläglich gescheiterten Unternehmen zu schlagen, war ein "Verdienst" der deutschen Justiz, die ihm einerseits ein Forum für eine propagandistische Ausschlachtung der Ereignisse bot, andererseits jene Milde im Urteilsspruch walten ließ, die gegenüber Angeklagten des rechten Spektrums gang und gäbe war. Unter Betonung des "rein vaterländischen und des edelsten selbstlosen Willens der Angeklagten" wurden am 1. April 1924 lediglich Mindeststrafen ausgesprochen. Hitler erhielt fünf Jahre Festungshaft in Landsberg, aus der er aber bereits am 20. Dezember 1924 vorzeitig entlassen wurde.

Hitlers Ideologie
Die kurze Haftzeit nutzte Hitler dazu, den ersten Teil von "Mein Kampf" zu verfassen. Das Buch diente mehreren Zwecken: der Legendenbildung über die eigene Jugend und den politischen Werdegang, der Darstellung der künftigen Absichten, insbesondere jedoch der eingehenden Begründung des nationalsozialistischen Kampfes.
Auszüge daraus sollen die in Hitler tief verwurzelte antisemitische Einstellung verdeutlichen, deren Herkunft eine eigene Abhandlung wert wäre:
"Er (der Jude) ist und bleibt der ewige Parasit, ein Schmarotzer, der wie ein schädlicher Bazillus sich immer mehr ausbreitet, sowie nur ein günstiger Nährboden dazu einlädt. Die Wirkung seines Daseins aber gleicht ebenfalls der von Schmarotzern: wo er auftritt, stirbt das Wirtsvolk nach kürzerer oder längerer Zeit ab..."
"Wenn wir all die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs vor unserem Auge vorbeiziehen lassen, dann bleibt als die letzte und ausschlaggebende das Nichterkennen des Rasseproblems und besonders der jüdischen Gefahr übrig."

9. November 1938 - Reichspogromnacht
Hitlers Rückkehr in die Politik
Aus dem gescheiterten Putsch hatte Hitler drei Lehren gezogen: Erstens verfolgte er das Ziel der Machtübernahme von nun an auf legalem Wege, zweitens achtete er bei der Neugründung der NSDAP im Februar 1925 peinlich genau darauf, daß alle Parteistrukturen auf ihn zugeschnitten waren und den Führerkult vorantrieben (d.h. auch die SA hatte sich dem Führer unterzuordnen, der sie zur Massenmobilisierung instrumentalisierte), und drittens trat die Partei künftig reichsweit auf.

Machtergreifung Hitlers
Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30 Januar 1933, spätestens aber mit der Durchsetzung des "Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich" (Ermächtigungsgesetz), das die Gesetzgebung an die Regierung übertrug und den Reichstag zu einem bloßen Zustimmungsorgan herabsetzte, wurde die Weimarer Demokratie de facto zu Grabe getragen. Nun folgte das, was in den Geschichtsbüchern als Gleichschaltung bezeichnet wird: Aufhebung der Selbständigkeit der Länder, Auflösung der Gewerkschaften, Verbot der Parteien, Pressezensur u.ä. Wo sich Widerstand regte, wurde er rücksichtslos gebrochen, wurden protestierende Parteiführer und Funktionäre in Konzentrationslager eingewiesen, mit deren Errichtung bereits im Frühjahr 1933 begonnen wurde.

Beginn der Judenverfolgung
Ebenfalls kurz nach der Machtergreifung setzte der gnadenlose Terror gegen die Juden ein. Die Rassenlehre wurde von nun an zentraler Bezugspunkt nationalsozialistischer Tagespolitik. Noch im Frühjahr 1933 rief die NSDAP zum Boykott gegen jüdische Geschäfte, Banken, Ärzte und Rechtsanwälte auf. Das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom April diente dazu, alle "nichtarischen" Beamten zu entlassen. Einen ersten Höhepunkt der Diffamierungen und Demütigung jüdischer Menschen in Deutschland brachten 1935 die sogenannten "Nürnberger Gesetze": Das "Reichsbürgergesetz" entzog "Nichtariern" die vollen politischen Rechte und degradierte die Deutschen jüdischen Glaubens zu Bürgern zweiter Klasse; das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" verbot Eheschließungen zwischen Juden und "Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes".
Aus einem Rechts- war ein Unrechtsstaat geworden, der Minderheiten gnadenlos verfolgte und sie dem durch nationalsozialistische Propaganda aufgehetzten Mob preisgab, dem die Juden als willkommenes Opfer seiner durch die wirtschaftliche Lage aufgestauten Aggressionen dienten.

Reichspogromnacht
Als die Reichsregierung Ende Oktober 1939 die Abschiebung Tausender polnischstämmiger Juden nach Polen verfügte und auch durchführte, begehrte ein junger Jude namens Herschel Grünspan, dessen Eltern zu den Betroffenen gehörten, gegen dieses Unrecht auf. Er verübte ein Attentat auf den deutschen Botschaftsrat in Paris, Ernst vom Rath, das dieser nicht überlebte. Diese Verzweiflungstat war den Nazis willkommener Anlaß, einen öffentlichen Gewaltexzeß in bis dahin nicht gekannten Ausmaß zu inszenieren: Goebbels Aufruf zur "Vergeltung" wurde von den gut organisierten Parteiverbänden flächendeckend in die Tat umgesetzt. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden an die 7500 jüdische Geschäftshäuser demoliert und geplündert, etwa 190 Synagogen in Brand gesteckt, über 25000 Juden verhaftet und ca. 3000 meist wohlhabende Juden von der SS ins Konzentrationslager gebracht. Anschließend erlegte man den Geschädigten auch noch eine "Buße" in Höhe von 1 Milliarde Reichsmark auf, um den entstandenen Schaden zu decken, wie man höhnisch argumentierte. Des weiteren wurde die "Zwangsarisierung" der jüdischen Geschäfte beschlossen (Enteignung und Übergabe an "Arier").
Die ausländische Presse sowie Teile der deutschen Bevölkerung reagierten bestürzt auf die Ereignisse in Deutschland, was die Nationalsozialisten veranlaßte, zukünftig auf öffentliche Massenausschreitungen weitgehend zu verzichten und die "Entfernung" der jüdischen Bürger aus dem Alltagsleben weniger offensichtlich zu betreiben.

Weitere Maßnahmen
Dennoch wurden noch im Dezember 1938 weitere Gesetze beschlossen, die die Juden zur Emigration zwingen sollten: Am 3. Dezember wurde den Juden der Führerschein entzogen, in der Folgezeit wurden Maßnahmen ergriffen wie die Festsetzung von Sperrgebieten, Verbot des Besuchs von Theatern, Museen, usw., der Ausschluß von Hochschulen und die zwangsweise Ablieferung aller Gegenstände aus Edelmetall (außer Ehering).
Nach Kriegsbeginn nötigte eine Flut von Verordnungen (Verbot von Rundfunkgeräten, Haustieren, Schallplatten, Schreibmaschinen, Fahrrädern, Heizöfen; Entzug von Kleider-, Fleisch-, Mehl-, Milchzuteilungen usw.) die noch außerhalb der Lager lebenden Juden zu einem Schattendasein.

"Endlösung der Judenfrage"
Ein Großteil der Forschung ist heute der Ansicht, daß es einen expliziten Befehl für die "Endlösung der Judenfrage" nicht gegeben hat. Zwar existiert eine Anweisung Generalfeldmarschalls Hermann Göring an den Chef des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich, eine Gesamtplanung für die "Endlösung" zu erstellen, doch verfaßte Heydrich dieses Schriftstück selbst, das heißt, er legte es Göring lediglich zur Unterschrift vor. Zudem bezog sich das Dokument auf die nach dem Krieg zu ergreifenden Maßnahmen in der "Judenfrage".
Mit der "Aktion Reinhard", der schrittweisen Liquidierung der Juden im Generalgouvernement Polen, gingen die Nazis
von der Vertreibung zur gesamteuropäischen Vernichtung der Juden über.

Der 9. November 1989 - Öffnung der Berliner Mauer
"Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört." Diese Worte sprach Alt-Bundeskanzler
Willi Brandt am Schöneberger Rathaus am 10. November 1989, also einen Tag nachdem die Mauer, die die Deutschen 28 Jahre lang geteilt hatte, plötzlich durchlässig geworden war.
Darüberhinaus wagte der Mann, der in den 70er Jahren eine neue Ära der bundesdeutschen Ostpolitik eingeleitet hatte, einen kurzen Blick zurück: "Deshalb sage ich nicht nur, daß wir bis zum Ende der Spaltung (...) noch einiges vor uns haben, sondern ich erinnere auch daran, daß alles nicht erst am 13. August 1961 begonnen hat. Das deutsche Elend begann mit dem terroristischen Nazi-Regime und dem von ihm entfesselten Krieg."

Mächtekonstellationen nach dem 2. Weltkrieg
In diesen prägnanten Sätzen ist die historische Entwicklung Deutschlands seit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten auf einen Punkt gebracht. Aus dem Elend heraus, das Hitler und seine Gefolgsleute über Europa gebracht hatten, erwuchs das Bedürfnis der siegreichen Mächte, ein Wiedererstarken Deutschlands auf Dauer zu verhindern.
Die ideologischen Gegensätze spalteten die Kriegskoalition schon bald nach Ende des zweiten Weltkrieges in zwei unversöhnliche Lager: die kapitalistisch orientierten Westalliierten USA, Frankreich und England auf der einen, die kommunistisch geprägte Sowjetunion auf der anderen Seite.
Im Zuge der sich verschärfenden Konfrontation zwischen West und Ost bildeten sich die unter grundverschiedenen Einflüssen stehenden beiden deutschen Staaten heraus: die
BRD (gegründet 23./24. Mai 1949) und die DDR (gegründet 7. Oktober 1949).

Mauerbau
Aufgrund anhaltender Flüchtlingsströme von Ost- nach Westdeutschland in den 50er Jahren entschloß sich die Führung der DDR zur Abriegelung ihrer Westgrenze. Der für die Öffentlichkeit überraschende Beginn des Mauerbaus am 13. August 1961, den einige Historiker als den zweiten Gründungstag der DDR ansehen, stellte eine Provokation der Westalliierten dar, die die Deutsche Demokratische Republik nur mit der Sowjetunion im Rücken wagen konnte. Mit diesem Schritt schien Konrad Adenauers Politik der Stärke des Westens, die den Osten zur Wiedervereinigung zwingen sollte, gescheitert.
Tatsächlich konsolidierte die Mauer die DDR 20 Jahre lang, sie zwang die Bevölkerung, sich mit "ihrem Staat" zu arrangieren.

Sukzessive Reiseerleichterungen
Erst 1964 gewährte die ostdeutsche Führung Rentnern die Reiseerlaubnis. Im Zuge der Entspannungspolitik des Kabinetts Brandt wurden Anfang der 70er Jahre durch das Berlinabkommen und den Grundlagenvertrag Reiseerleichterungen in beide Richtungen erreicht: Bundesbürger durften eingeschränkt die DDR besuchen, Staatsangehörigen der DDR wurden Visa für die BRD im Falle dringender Familienangelegenheiten erteilt. Im Verlauf der 80er Jahre nahm das Zentralkomitee der SED auf Drängen Bonns und auf Druck von unten weitere Lockerungen des Reisegesetzes vor. Auch Jüngere durften nun reisen: Waren es 1985 nur 66000 Reisende gewesen, die noch nicht die Rentenaltersgrenze erreicht hatten, so waren es 1988 bereits ca. 1,5 Millionen.
Die Anzahl der Emigrationsanträge stieg zeitgleich stark an. Die Menschen sahen plötzlich eine Alternative zum Leben in der DDR. Die Stabilität der Verhältnisse war merklich erschüttert.

Gründe für den Zusammenbruch der DDR
Die Gründe für diese Entwicklung, die letztlich zum Zusammenbruch des SED-Regimes führten, sind als ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren zu sehen. Zum ersten ist die fehlende Legitimation der politischen Führung, die mit Wahlfälschungen und einem einzigartigen Überwachungsapparat ihre Stellung behauptete, als Ursache anzuführen. Zum zweiten war sicherlich auch die marode wirtschaftliche Situation für den Zusammenbruch verantwortlich: Die DDR war schlichtweg "pleite". Und zum dritten ist die Reformunwilligkeit bzw. -unfähigkeit der Regierung zu nennen, die die Zeichen, die Gorbatschow seit seinem Amtsantritt mit Perestroika und Glasnost gesetzt hatte, nicht erkannte. Die DDR konnte ohne die Rückendeckung der Sowjetunion in dieser Form nicht weiterexistieren.

Proteste und Fluchtbewegungen
Wesentlichen Anteil an der Zuspitzung der Situation hatte Ungarn, das sich seit Mitte der 80er Jahre immer mehr nach Westen öffnete. Ungarn wurde für viele DDR-Bürger das Tor zum Westen, nachdem die ungarische Regierung für diese am 11. September 1989 den Grenzübertritt nach Österreich legalisierte.
Proteste und Fluchtbewegungen wurden im Verlauf des Jahres 1989 immer massiver. Im Sommer versuchten Hunderte Ostdeutsche über westdeutsche diplomatische Vertretungen in Ländern des Ostblocks, ihre Ausreise zu erzwingen. Die innerstaatliche Opposition wuchs ständig, die kritischen Stimmen wurden zahlreicher. Erinnert sei in diesem Kontext nur an die
Montagsdemonstrationen in Leipzig, die bis zum November 1989 auf einen Umfang von 400000 Menschen anschwollen.

Sturz Honeckers - Antritt Krenz
Die reformunwillige DDR-Regierung reagierte nur zögerlich. Statt tiefgreifende Reformen einzuleiten, versuchte Erich Honecker im Rahmen der 40-Jahr-Feierlichkeiten der DDR am 7. Oktober 1989, im Rampenlicht der Öffentlichkeit den Schein zu wahren. Nachdem jedoch sogar Gorbatschow Kritik am Verhalten der Politgrößen geäußert hatte und es am Rande der Festlichkeiten zu Ausschreitungen der Polizei gegen Demonstranten gekommen war, mußte man auf Seiten der SED-Führung diese Veranstaltung als weiteren Mißerfolg verbuchen. Egon Krenz nahm diese Niederlage zum Anlaß, die Absetzung seines Ziehvaters Erich Honecker zu betreiben. Am 17. Oktober brachte Ministerpräsident Willi Stoph nach vorheriger Rücksprache mit Krenz die Rücktrittsforderung im Rahmen einer Sitzung des Zentralkomitees der SED vor. Alle Politbüromitglieder einschließlich Erich Honecker stimmten der Rücktrittsforderung zu. Bereits am folgenden Tag wurde Egon Krenz auf Vorschlag des Politbüros vom Zentralkomitee der SED zum neuen Generalsekretär der Partei gewählt. Doch der neue Mann an der Spitze des DDR-Staates vermochte die angespannte Lage nicht zu beruhigen. Die Menschen ließen sich nicht mit kleineren Zugeständnissen wie dem Demonstrationsrecht oder der Generalamnestie für Flüchtlinge und Ausgereiste abspeisen. Sie forderten grundlegende Veränderungen, welche die politische Führung nicht durchzuführen bereit war.

Maueröffnung
Krenz und Genossen glaubten offensichtlich Anfang November immer noch, daß Reiseerleichterungen die Lage wieder stabilisieren konnten, als sie die Grenze zur CSSR öffneten und darüber hinaus erklärten, daß ihre Bürger über den Umweg Tschechoslowakei in die Bundesrepublik einreisen dürften. Die Folge war eine Ausreisewelle, die alles Bisherige übertraf.
Außerdem verkündete die Regierung am 6. November den Entwurf eines neuen Reisegesetzes, für das man wiederum nichts als Kritik erntete: "Zu spät, zu spät", skandierten die Demonstranten in Leipzig und forderten zum ersten Mal: "Wir brauchen keine Gesetze - die Mauer muß weg!"
Diese unerwartete Reaktion eines Großteils der Bevölkerung löste Konfusion in der DDR-Spitze aus. Nicht anders ist die übereilte Handlung der
Maueröffnung am 9. November 1989 zu erklären, die weder auf einem gültigen Beschluß der Regierung basierte (Günter Schabowski, ZK-Sekretär für Information, verkündete auf einer Pressekonferenz lediglich eine Vorlage der Regierung), noch mit den Grenzbehörden abgestimmt war. So sah das in der Tagesschau aus.
"Sofort." Dies war die Antwort Schabowskis auf die Frage eines Reporters, wann die neue Reiseregelung in Kraft trete. Dieses eine Wort wirkte wie ein Fanal. Nun überschlugen sich die Ereignisse. Noch in der Nacht machten sich Tausende auf den Weg zur Grenze, wo die Verwirrung zunächst groß war, denn die Grenzposten hatten verständlicherweise keinerlei Anweisung von oben erhalten. Versuche der Grenzer, Zeit zu gewinnen, waren auf Dauer vergeblich. Nachdem man sich in einem Telefonat mit der Zentrale, die grünes Licht gab, kurzgeschlossen hatte, wichen die Beamten dem Druck der Masse. Damit war die Mauer, 28 Jahre nach ihrer Errichtung, gefallen.

Phasen der Wiedervereinigung
Was folgte, waren die verschiedenen Phasen der Wiedervereinigung:

  • Kohls 10-Punkte-Plan
  • Modrows Konföderationskonzeption
  • Zwei-plus-vier-Verhandlungen
  • Währungsunion
  • Politische Wiedervereinigung

Reaktionen des Auslands
Das Ausland, insbesondere die europäischen Nachbarn, beobachteten das Geschehen in beiden Teilen Deutschlands mit Vorbehalten. Verständlicherweise fürchteten sie ein vereintes Deutschland in der Mitte Europas - zu frisch waren die Erinnerungen an die Schrecken des Krieges. Doch die demokratischen Regierungen der Siegermächte, die der Rechtslage nach über die Wiedervereinigung entscheiden konnten, vermochten sich faktisch nicht gegen einen durch und durch demokratischen Prozeß zu stellen, der zum Zusammenschluß der beiden Teile Deutschlands führte: Die Vereinigung entsprang dem Willen des Volkes, weniger dem zielbewußten Streben deutscher Politiker.
Auch Gorbatschow lehnte ein Eingreifen der Sowjetunion, das auf militärische Weise hätte erfolgen müssen, ab, obgleich er zu Beginn kein Befürworter der Wiedervereinigung war, sondern die DDR nur einer sozialistischen Reform unterzogen sehen wollte; zudem hoffte er auf die finanzielle Sanierung der maroden Sowjetunion durch die Bundesrepublik.

    Der 9. November - der bessere Nationalfeiertag?
Nachdem sich bei der vorhergehenden Beschäftigung mit dem 9. November dieser offensichtlich als eine Art
"Schicksalstag" der Deutschen herauskristallisiert hat, drängt sich nun die Frage auf, inwieweit es zu vertreten wäre, ihn als einen "Feiertag" zu institutionalisieren.
Ein maßgeblicher Einwand könnte mit Sicherheit die Tatsache sein, daß der 9. November mit zwei negativen Ereignissen der deutschen Geschichte (1923, 1938) besetzt ist. "Hitlerputsch" und "Reichspogromnacht" zu "feiern" würde ein Zeichen der Ignoranz bedeuten. Die jüdische Gemeinde müßte ein solches Vorhaben als Affront werten. Freilich impliziert eine solche Auffassung, daß Feiertage immer positive Ereignisse widerspiegeln und ausgelassen begangen werden müssen.
Das ist aber durchaus nicht der Fall: Man mag sich nur an den 17. Juni erinnern, an den "Tag der deutschen Einheit". In Westdeutschland gedachte man des Volksaufstandes in der DDR von 1953, obwohl dieser blutig niedergeschlagen worden war.
Somit gelangt man zu einer neuen Definition bzw. Funktion des Begriffs "Feiertag", bei der nicht das
Feiern, sondern Aspekte wie das Nichtvergessen, das Mahnen und das Sich-Erinnern im Vordergrund stehen.
Anstatt den Begriff "Feiertag" neu zu definieren, bestünde auch die Möglichkeit, den 9. November - analog zum 27. Januar (Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27.01.1945) - als
Gedenktag zu begehen. Doch würde dies wiederum den Ereignissen der Jahre 1918 und 1989 gerecht?
Eine weitere Facette dieser Thematik wird mit der Frage beleuchtet "Warum schuf man nicht künstlich einen weiteren "freudigen Anlaß", indem man die Wiedervereinigung auf den 9. November terminierte?" Immerhin, so ließe sich argumentieren, hätte sich somit ein Kreis geschlossen: Erste und zweite deutsche Republik wären unter dem Dach der Geschichte vereint gewesen. Doch ob eine derartige Verbindung überhaupt wünschenswert gewesen wäre, bleibt fraglich.
"Bonn ist nicht Weimar", wie es der Schweizer Publizist F.R. Allemann bereits Mitte der fünfziger Jahre treffend formulierte.
Fazit: Aufgrund des kontroversen Charakters sowie der Brisanz der Thematik gestaltet es sich schwierig, eine allgemein anerkannte Entscheidung pro oder contra "9. November" als Feiertag zu fällen. Daher sollte jeder für sich selbst urteilen.

 

Geburts- oder Sterbetage am 9.11.

1818     Iwan Turgenjew Russischer Dichter ("Väter und Söhne"). Gestorben 29.9.1887.   
1905   
  Erika Mann Deutsche Schriftstellerin und Schauspielerin. Tochter von Thomas Mann. Gestorben 27.8.1969.    
1905   
Tommy Dorsey US-amerikanischer Posaunist und Bigband-Leiter. Gestorben 26.11.1956.  
1918   
Spiro Theodore Agnew US-amerikanischer Politiker. 1966 Gouverneur von Maryland. 1969 Vizepräsident der USA unter Richard Nixon. Ging in die Geschichte ein als erster Vizepräsident, der wegen eines kriminellen Delikts zurücktrat: 1973 wurde er wegen Steuerhinterziehung zu $10.000 Strafe und 3 Jahren auf Bewährung verurteilt. Gestorben 17.9.1996.  
1918   
Guillaume Apollinaire Der französische Schriftsteller stirbt 38jährig in Paris.      
1928   
Werner Veigel "Tagesschau"-Sprecher. gestorben 2.5.1995.     
1934   
Carl Sagan US-amerikanischer wissenschaftlicher Bücher. Von ihm stammt auch die literarische Vorlage zum Hollywood-Film "Contact" (mit Jody Foster in der Hauptrolle"). Gestorben 20.12.1996.     
1939   
  Ulrich Schamoni Deutscher Filmregisseur. Gestorben 9.3.1998.   
1941   
Tom Fogerty US-amerikanischer Gitarrist und zusammen mit Bruder John Gründer von Creedence Clearwater Revival.     
1948   
  Alan Gratzer  Schlagzeuger bei REO Speedwagon.       
1948   
  Joe Bouchard Bassist bei Blue Oyster Cult ("Don't Fear the Reaper").
1953   
  Dylan Thomas Der walisische Schriftsteller stirbt 39jährig in New York.     
1954   
  Dennis Stratton Iron Maiden-Gitarrist. 
1965    Blackout In Brian Jones Hotelzimmer in New York treffen sich Jones, Robbie Robertson und Bob Dylan zu einer Jamsession. Der große Stromausfall sorgt dafür, dass es von dem historischen Treffen keine Aufnahmen gibt.  
1965   
  Bryn Terfel Walisischer Opernsänger.       
1967   
Rolling Stone Das amerikanische Musikmagazin erscheint zum ersten Mal.       
1969   
Brad "Scarface" Jordan US-amerikanischer Rapper bei den Geto Boys.    
1969   
Pepa (Eigentlich: Sandra Denton) US-amerikanische Rapperin bei Salt-N-Pepa. 
1970   
Charles DeGaulle Der ehemalige französische Präsident stirbt 79jährig.  
1991   
Yves Montand Der französische Schauspieler ("Lohn der Angst") stirbt 70jährig in Paris.